Können Backlinks die Rankings auch negativ beeinflussen?

  • 17. April 2014
  • SEO
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Um die Frage kurz und knapp zu beantworten: Ja, Backlinks können Ihren Rankings schaden! Es ist durchaus möglich, dass ein Backlinks nicht die gewünschte Wirkung entfaltet, manchmal werden toxische Backlinks jedoch auch absichtlich gesetzt, beispielsweise von Konkurrenten.

Was macht einen Backlink toxisch?

Ein schlechter Backlink bedeutet nicht sofort, dass es zu erheblichen Rankingverlusten kommt. Unerwünschte Bewegungen in den Rankings durch Backlinks können viele verschiedene Ursachen haben. Bei einem vermutlich toxischen Backlink gilt es daher, genau zu analysieren, was ihn toxisch macht und dementsprechende Maßnahmen durchzuführen.

Aggressive Linkanker

rankingsDieser Punkt wird oftmals sogar von erfahrenen SEOs vernachlässigt: Das Ankerprofil. Linkanker sind die Elemente, hinter denen der eigentliche Backlink steckt. Ein Linkanker kann sein:

  1. Ein beliebiges Wort oder Folge von Zahlen und Buchstaben
  2. Der Domainname oder die gesamte URL
  3. Ein Bild oder Icon

Grundsätzlich gilt, dass beispielsweise sogenannte Exact-Match Anker, also Anker, die genau dem Keyword entsprechen, für welches man ranken möchte, am stärksten sind. Jedoch sollten Exact-match Anker nur einen äußerst kleinen prozentualen Anteil im Linkprofil einnehmen. Google straft aggressive Anker von Jahr zu Jahr immer härter ab. Die Strafen beginnen bei leichten Ranking-Drops bishin zur Deindexierung der gesamten Domain für das jeweilige Keyword. Sich von Letzterem zu erholen ist äußerst zeitaufwändig und kann großen Schaden anrichten, deswegen Vorsicht!

In meiner Standard-Prozedur im Linkaufbau berücksichtige ich dies. Ich fahre die Strategie, harte Anker für starke Links aufzusparen und das Linkprofil mit URL und MISC Ankern mithilfe schwacher/billiger Backlinks auszupolstern. Exact Match Anker nehmen in meinen Linkprofilen im Schnitt maximal 3-4% ein. Gar keine solcher harter Anker zu benutzen ist jedoch auch eine Art Verschwendung, denn so übergeht man einiges an Ranking-Power. Außerdem wirkt hin und wieder mal ein Exact Match Anker natürlich und um nichts anderes geht es beim Aufbau eines starken und nachhaltigen Linkprofils.

Irrelevantes Thema

Hier übertreibt es so mancher SEO. Viele glauben, dass ein Backlink für eine Website über grüne Toaster von einer Website über grüne Toaster kommen muss, um zu wirken oder nicht toxisch zu wirken. Dies stimmt definitiv nicht! Man muss hier ein wenig differenzieren, wo der Link steht und welche Thematik der Content drumherum besitzt. Meiner Erfahrung nach würde ein Backlink in folgender Beispiel-Situation toxisch wirken: Ein 500-Wörter Artikel über Toaster befindet sich auf einer Unterseite einer Website über Küchengeräte. Ein Backlink mit dem Anker Elektrische Zahnbürsten, welcher auf eine Seite über Zahnpflege verweist, befindet sich ohne jeglichen Zusammenhang mit dem Content irgendwo im Text. Dieser Backlink würde mit hoher Wahrscheinlichkeit negative Auswirkungen zeigen, weil er absolut unnatürlich wirkt und Google unnatürliche Links verabscheut.

Würde man jedoch einen Absatz von sagen wir einmal 70 Wörtern um den Link herumbauen, der irgendwie thematische Relevanz herstellt, wie beispielsweise “Wieso Toastbrot nicht gut für die Zahngesundheit ist”, sinkt das Risiko enorm. Deshalb ist es auch unnötig, immer nach haargenauer thematischer Übereinstimmung der verlinkenden Seite zu schauen, denn erstens wirkt das bei einer Masse an Backlinks insgesamt unnatürlich und außerdem wird der Linkjuice zu einem gewissen Grad immer durch die Bedeutung des Contents gefiltert.

Der Backlink entspringt einer “Linkschleuder”

linkschleuderLinkschleuder sagt man in der Regel zu Seiten mit sehr vielen ausgehenden Links im Verhältnis zu wenig Content. Doch auch hier gilt es zu differenzieren, denn ein Backlink von einer Linkschleuder muss nicht zwangsläufig toxisch wirken – Er kann auch einfach gar nicht wirken. Das Stichwort lautet hier Linkjuice: Der Linkjuice ist ein theoretisches aber wahrscheinlich in irgendeiner Form existierendes Konstrukt.

Linkjuice muss man sich im wahrsten Sinne des Wortes wie eine digitale Flüssigkeit vorstellen, die von einer Seite auf eine andere, verlinkte fließt und Rankingpower überträgt. Dieser Linkjuice wird auf alle internen und externen Links einer Website verteilt, was natürlich zu dem Schluss führt, dass eine Website, die furchtbar viele ausgehenden Links besitzt, nur wenig Rankingpower weitergibt. Jenes Problem findet man oftmals auf Linkportalen, auf welchen man sein Unternehmen inklusive Backlink eintragen lassen kann. Auf solchen meist recht schwachen Websites befinden sich nach einiger Zeit zigtausende von ausgehenden Links, auf die der Linkjuice aufgeteilt werden muss. Logischerweise eignen sich solche Links höchstens noch zum Auspolstern des Anker-Profils. Ranking Boosts darf man sich von solchen Backlinks nicht erwarten.

Eine Linkschleuder wird dann toxisch, wenn das Verhältnis zu anderem Content absolut unverhältnismäßig wird. Wird ein Link beispielsweise auf einer Website platziert, die fast nur aus ausgehenden Links besteht, so kann der Link den Rankings schaden, denn hier haben wir wieder das Problem der Unnatürlichkeit. Also Finger weg von Linklisten!

Der Backlink kommt von einer abgestraften Domain

Dies ist die Ursache für die meisten schlecht wirkenden Backlinks. Wird eine Domain von Google abgestraft (meist ein sog. Pure Spam Penalty), dann ist der von dieser Domain ausgehender Linkjuice wortwörtlich giftig. Dies ist auch die gängigste Methode bei bewusster Vergiftung des Linkprofils durch Maßnahmen der Konkurrenz. Hier gibt es eigentlich gar nichts weiteres wirklich Wichtiges zu sagen.

Google Flux und der Random Documents Algorithmus

Google liebt es, SEOs zu verunsichern. Zum einen gibt es den sogenannten Google-Flux. Dieser produzierte zum einen die normalen täglichen Ranking-Schwankungen, jedoch auch stärkere Schwankungen nach Platzierung einiger Backlinks. Hier ist es ganz normal, dass die Rankings für einige Stunden oder Tage fallen, um danach stärker zurückzukehren. Ein erfahrener SEO erkennt diese natürlichen Schwankungen und akzeptiert diese ohne sinnlose Gegenmaßnahmen durchzuführen.

Der Random Documents Algorithmus hingegen ist um einiges gemeiner und selbst so manch wissender SEO tappt in seine Falle. Dieses Protokoll ist definitiv gezielt geschrieben worden, um unnatürliches Linkbuilding zu entdecken und zu bestrafen. Der Algorithmus funktioniert wie folgt: Wenn Google vermutet, dass aktives Linkbuilding betrieben wird, gehen die Rankings plötzlich in den Keller. Beim Seitenbetreiber soll der Eindruck entstehen, dass ein toxischer Backlink gesetzt wurde oder der benutzte Anker zu aggressiv war. Werden nun Gegenmaßnahmen vorgenommen, wie etwa das Ändern des Linkankers oder gar die komplette Entfernung des betroffenen Backlinks, so wird die Seite abgestraft. Man sollte also niemals in diese Falle tappen! Hat man den Eindruck, ein gesetzter Backlink sei toxisch, sollte man dennoch lieber zuerst 28 Tage warten und auf keinen Fall Gegenmaßnahmen ergreifen. In der Regel kommen die Rankings bereits nach einigen Tagen zurück, sofern man geduldig wartet und wie gewohnt weiterverfährt.

Jemand vergiftet absichtlich mein Linkprofil –  Was kann ich tun?

google disavow toolLeider ist Negative-Seo keine Seltenheit und äußerst effektiv – im schlechten Sinne natürlich. Man hat hier zwei Möglichkeiten vorzugehen:

  1. Per Email den jeweiligen Seitenbetreiber um Entfernung der Links bitten
  2. Google’s Disavow-Tool verwenden

Ganz ehrlich, ersteres ist in der Regel Zeitverschwendung. Webseiten, die explizit für Negative-SEO gebaut wurden, besitzen außerdem meist eh kein (gültiges) Impressum. Am schnellsten und sichersten ist es einfach, Google’s Disavow-Tool in der Search Console zu verwenden. Links, die in diese Liste eingetragen werden, werden von Google entwertet und verlieren somit an Wirkung. Dies setzt natürlich voraus, dass man die toxischen Links zuvor identifiziert. Dazu sollte nicht ausschließlich die Search Console benutzt werden, da hier zur Täuschung von SEOs nicht alle Backlinks angezeigt werden. Hier sollte man in Kombination gute Backlink-Analyse Tools verwenden wie Majestic oder Ahrefs.

Achtung: Beim Entwerten von Backlinks in der Search Console unbedingt darauf achten, dass keine guten Backlinks entwertet werden!

Simon ist der Consultant und Autor hinter Seo-Competence.de. [Mehr über Simon]

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